
Es ist ein bewegender Moment, unser Buch in den Händen zu halten. Voraus geht eine lange Zeit des gemeinsamen Nachdenkens, Diskutierens und Schreibens mit Moritz Krebs, Timur Rader, Liesa Schamel, Birgit Schulz und Jörg Zirfas. Gestartet ist die Gruppe zum 11. Juli 2023, so steht es zumindest in meinem Projekttagebuch. Wir haben also etwas mehr als zweieinhalb Jahre gebraucht. (Als Erscheinungsdatum wird im Buch das Jahr 2026 angegeben). Zu Anfang des Projektes stand vor allem die Entwicklung einer anthropologischen Bildungsforschung im Mittelpunkt. So heißt es im Buch: „Bislang liegt eine explizite anthropologische Bildungsforschung noch nicht vor. Zwar gibt es eine Fülle von Untersuchungen aus anthropologischer Perspektive zu Bildungsprozessen (vgl. die Schriftenreihe der Kommission Pädagogische Anthropologie der DGfE), doch ein explizit ausformuliertes Modell anthropologischer Bildungsforschung ist noch ein Desiderat“ (ebd., S. 18). Das hat mich sehr verwundert, da eine Verknüpfung von transformatorischer Bildung nach Kokemohr und Koller mit der Pädagogischen Anthropologie aus meiner Perspektive naheliegt. In gewisser Hinsicht hat sich das Projekt zeitlich nach vier Aspekten entwickelt. So sind wir bei der Analyse der beiden ersten Interviews mit der Grundidee der transformatorischen Bildung gestartet. Die Analyse wurde zunächst mit der Trias von Emotion, Praxis und Theorie erweitert. Besonders die Bedeutung von Emotionen im Bildungsprozess konnte mit dieser offeneren Herangehensweise gut bearbeitet werden. Danach haben wir stark mit den sieben anthropologischen Kategorien (Körper, Soziales, Raum, Zeit, Kultur, Subjekt, Grenzen) gearbeitet. Auch in meinen Seminaren erweist sich diese Erweiterung der transformatorischen Bildung immer wieder als sehr produktiv, da die Studierenden so ein Schema in die Hand bekommen, worauf man bei der Analyse der narrativen Interviews achten kann. Performativität und Normativität wurden dann nach der Arbeitstagung der Kommission am 24./25.05.2024 an der Universität Duisburg-Essen, Perspektiven der Pädagogischen Anthropologie, besonders relevant. Wir haben uns nach der Präsentation gefragt, wieso wir diese Aspekte eigentlich „liegen gelassen haben“.
Ich hoffe, dass mit dem Buch eine gut lesbare und nachvollziehbare Einführung in die anthropologische Bildungsforschung vorliegt. Das Buch lässt sich als erster Band einer Reihe zur anthropologisch-ökologischen Bildung verstehen. Das zweite Buch in dieser Arbeitsgruppe zur Ökologie oder Nachhaltigkeit ist bereits in Arbeit. Zudem hat sich im Forschungsnetzwerk Pädagogische Anthropologie eine Gruppe gebildet, die die Lebensgeschichten von geflüchteten Menschen analysiert: »Anthropologische Dimensionen von Fluchterfahrungen. Lektüren von Fluchterzählungen mit Hilfe der anthropologischen Bildungsforschung«.
Jedes Ende eines Projektes ist zugleich auch ein neuer Anfang. In diesem Sinne wünsche ich potenziellen Leser:innen viel Vergnügen und eine inspirierende Lektüre.
Das Buch Katastrophenbildung lässt sich über die Webseite von Beltz Juventa bestellen.